Entwicklungspolitische Zusammenarbeit

Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit thailändischer KMU durch Verbesserung von Dienstleistungen und Einführung von Öko-Effizienz

Während der letzten 43 Jahre hat die thailändisch-deutsche Zusammenarbeit nahezu
alle Felder technischer Hilfe abgedeckt, wie das breitgefächerte Spektrum deutscher Projekte der letzten Jahrzehnte und thailändischer Partnerorganisationen unter Beweis stellen.

Nach dem tiefen wirtschaftlichen Einbruch anlässlich der Asienkrise Ende der neunziger Jahre hat sich Thailand erstaunlich gut erholt und weist nun eine der höchsten Wachstumsraten der Region auf. Thailand gehört zur Gruppe der Schwellenländer und ist ein wichtiger regionaler Wachturmsmotor sowie Handelszentrum in der Greater Mekong Subregion (GMS).

Dem fortgeschrittenen Entwicklungsniveau der thailändischen Wirtschaft und regionalen Bedeutung des Landes trägt die Technische Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Thailand mit dem neuen Programm Rechnung.

In Thailand als Schwellenland versteht sich die GTZ nicht nur als Dienstleister im Bereich klassischer Entwicklungszusammenarbeit, sondern auch als Motor der weiteren Verbesserung der thailändisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen. Die GTZ ist dabei auch Partner deutscher Firmen, die ihrerseits einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung Thailands leisten. Mehrere erfolgreiche Public Private Partnership Projekte mit deutschen Betrieben im Bereich Umwelttechnik belegen den Erfolg dieser Strategie. Gleichzeitig wird international anerkanntes deutsches Know-how im Bereich Klein- und Mittelstandsförderung und insbesondere in der Umweltpolitik in Wert gesetzt. Thailändische KMU sind der gewichtigste Kundenstamm sowohl für deutsche Maschinen- und Technologielieferanten, als auch Dienstleister. Ein Verständnis dieser Kunden über den Zusammenhang zwischen verbesserten / effizienten Prozessabläufen, Managementpraktiken und sauberen Technologien mit erhöhter Wettbewerbsfähigkeit und Einstieg in neue Märkte wird die deutsche Industrie mit ihren Potentialen sicher nutzen können. Dass sich die Technische Zusammenarbeit zunehmend auch an deutschen Wirtschaftsinteressen orientiert, wird von den thailändischen Partnern als Beweis für die neue Qualität der Partnerschaft auf gleicher Augenhöhe verstanden.Die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittelständischer Unternehmen KMU wird in den Jahren 2004 bis 2012 Schwerpunkt des deutschen Engagements in Thailand sein. Das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und das Department of Technical and Economic Cooperation (DTEC, Abteilung für wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit im thailändischen Außenministerium) haben diesen Schwerpunkt der Technischen Zusammenarbeit 2002 nach intensiven Beratungen der GTZ mit ihren thailändischen Partnern vereinbart. Das Programm trägt zur Erreichung der im 9. nationalen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungsplan der Regierung Thailands (2002-2006) formulierten Ziele "Förderung wirtschaftlicher Stabilität und Nachhaltigkeit" sowie "Umweltfreundliche Produktionsweisen" bei.

Bedeutung von KMU

KMU sind von großer Bedeutung für die Volkswirtschaft Thailands. Sie machen mehr als 90% der thailändischen Betriebe aus. Ca. 850.000 KMU erwirtschaften 42% des thailändischen BIP und stellen 56% der Arbeitsplätze. Außerdem produzieren sie einen Großteil aller Exportgüter des Landes. Gleichzeitig tragen sie aber nach Expertenschätzungen 55% zu Umweltbelastungen bei, die mangelhafte Trinkwasserqualität, verseuchte Böden und gesundheitsschädigende Arbeitsbedingungen zur Folge haben. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für KMU haben sich in den letzten Jahren verbessert. Problematisch bleibt jedoch die unzureichend entwickelte und nicht kohärente KMU-Förderpolitik der Regierung. Die bestehenden KMU-Fördersysteme sind in hohem Maße staatslastig, subventioniert und nicht bedarfsorientiert. Es gibt zu wenige auf Beratung basierende - insbesondere private Dienstleistungsangebote - und staatliche Anreizsysteme, die die Wettbewerbsfähigkeit der thailändischen KMU nachhaltig fördern und sie im Prozess zu einer umweltverträglichen Produktion begleiten.

Künftig werden die Institutionen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ihre Maßnahmen auf zwei inhaltliche Schwerpunkte ausrichten, welche die Managementkapazitäten der KMU in ausgewählten Sektoren verbessern und so eine maximale Wirkung der eingesetzten finanziellen Mittel sicherstellen werden.

Im Mittelpunkt der ersten Programmkomponente "Verbesserung der Dienstleistungen und Rahmenbedingungen für KMU" steht die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit von KMU durch Stärkung des Marktes für Unternehmensdienstleistungen für diese Unternehmensgruppe.

Die zweite Programmkomponente, "Förderung der Öko-Effizienz in der Industrie", hat eine nachhaltige und umweltverträgliche Industrieentwicklung zum Ziel. Kernelemente sind die effiziente Nutzung von Rohstoffen und Nebenprodukten, Recycling, Energiesparrnassnahmen und eine erhöhte Umweltverträglichkeit der Produktionsabläufe in ausgewählten Sektoren.

Durch die Konzentration auf diese beiden Programmkomponenten wird die Visibilität der deutschen TZ trotz graduell abnehmender Budgets erhöht. Gleichzeitig werden durch die Aufgabe isolierter Einzelprojekte und die Programmbildung Synergieeffekte erzielt. So werden Aus- und Fortbildungsmaßnahmen für kleine und mittelständische Unternehmer und deren Beschäftigte Aspekte umweltverträglicher Managementtechniken enthalten. Zudem bewirkt die Einführung öko-industrieller Fertigungsmethoden signifikante Kosteneinsparungen und führt somit zu einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit der KMU auf internationalen Märkten.

Zu Beginn des Programms werden sich die Aktivitäten vor allem auf die Agroindustrie auf Grund hoher Beschäftigungswirksamkeit sowie Zulieferindustrien wegen ihrer Exportrelevanz konzentrieren. Weitere Sektoren können im Verlauf des Programms in Übereinstimmung mit thailändischen Förderprogrammen hinzukommen.

Die thailändisch-deutsche Zusammenarbeit konzentriert sich auf drei Kooperationsfelder als Beitrag zur Erreichung des übergreifenden Ziels, die Wettbewerbsfähigkeit des KMU-Sektors zu stärken.

1. Der Technologietransfer besteht in der Vermittlung von Technologie und Know-how und fördert gleichzeitig den Erfahrungsrückfluss an Technologieproduzenten. Damit leistet die GTZ einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der industriellen Fertigung in Thailand und fördert eine kontinuierliche Anpassung moderner Technologien an den tatsächlichen Bedarf.

2. Im Bereich Dienstleistungen für Unternehmen werden vorhandene Dienstleistungsstrukturen auf staatlicher und privater Ebene verbessert und die Entwicklung neuer Konzepte der Unternehmensförderung auf der Basis einer intensiven Vernetzung der verschiedenen Dienstleister unterstützt.

3. Die Entwicklung der Humanressourcen umfasst Fortbildungsmaßnahmen, die sich an Fach- und Führungskräfte von staatlichen und privaten Dienstleistungsanbietern im KMU-Bereich richten und zur Stärkung ihrer beraterischen Kompetenz sowohl in Managementfragen, als auch in Fragen der Öko-Effizienz beitragen.

Schließlich ist auch die Politikberatung ein wichtiges Element der TZ. Gezielte Regierungsberatung hat zur Formulierung von Gesetzen, Regelungen, technischen Spezifikationen und zur Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen geführt. Konkrete Beispiele dieser Beratungstätigkeit sind die thailändischen Regelungen für den Transport gefährlicher Güter und entsprechende Katastrophenschutzpläne sowie die Verschärfung der Gesetze zur Luftreinhaltung.Die deutsche TZ beschränkte sich dabei nicht auf diese Ebene, sondern leistete zusätzlich Hilfestellung beim Aufbau von effizienten Kontrollmechanismen der Umweltgesetzgebung. Der Maßnahmenkatalog wird nun ergänzt durch den oben genannten Aufbau von Beratungsdienstleistungen im Bereich Öko-Effizienz für KMU.

Organisation des neuen Programms

Ein Programme Management Committee (PMC) wird sowohl Monitoring-, als auch Managementfunktionen im Rahmen des künftigen Programms übernehmen. In dem sechsköpfigen Gremium werden neben DTEC und GTZ das Industrie-, Umwelt und Finanzministerium sowie der thailändische Industrieverband (FTI) als Repräsentant der Wirtschaft vertreten sein.
Die Auswahl einzelner Projekte und damit auch die Entscheidung über die jeweiligen Interventionsebenen und Partner erfolgt durch das PMC anhand eines vereinbarten Kriterienkatalogs. Das PMC und andere Gremien des Programms werden auch als strategisches Instrument der Sektorpolitikberatung genutzt.
Dem jährlich tagenden Beirat (Advisory Board) gehören namhafte Vertreter des Privatsektors und der Vorsitzende des deutsch-thailändischen Wirtschaftsausschusses an. Der Beirat überprüft die Vereinbarkeit der Programmziele mit der KMU-Förderpolitik in Thailand, entwickelt neue Ideen zur strategischen Ausrichtung des Programms und informiert die wichtigsten Zielgruppen über das Programm. Er ist außerdem ein wichtiges Instrument der Öffentlichkeitsarbeit des Programms.

Das Programm wird auf nationaler Ebene mit allen wichtigen Institutionen, die mit Fragen der KMU-Förderung und der Verbesserung von industriellen Umweltstandards befasst sind, zusammenarbeiten. Dabei soll die Rollenteilung zwischen öffentlichem und privatem Sektor bei der Entwicklung und Umsetzung von KMU-Beratungsdienstleistungen für Management und Umweltfragen optimiert werden. Erfahrungen werden durch Kurzzeit-Berater aufbereitet und systematisiert, um Positivbeispiele über das PMC in die politischen Entscheidungsprozesse einzubringen.Ausgewählte Dienstleistungsfelder, insbesondere Qualitätsmanagement, Zertifizierung, Standardisierungen und Kalibrierungen haben große Bedeutung für die thailändische Agroindustrie, die derzeit große Anstrengungen unternimmt, internationale Normen zu erfüllen, um ihre Exportchancen zu verbessern. Die Erfahrungen, die in der Agroindustrie gemacht werden, sind auch auf andere Sektoren wie z.B. den Elektro/Elektronik-Sektor übertragbar. Zum Vorgehen gehört auch, dass das Programm thailändische Partnerinstitutionen bei der Auswahl und Durchführung eigenständiger Projekte (z.B. Öko-Standards in der Agroindustrie) berät.

Maßnahmen im Rahmen des neuen Programms

Mit den thailändischen Partnern wurden inzwischen erste konkrete Projekte im Rahmen des neuen Programms vereinbart, die im Laufe dieses Jahres anlaufen werden.

Der Aufbau eines Dienstleistungs-Netzwerks für ausgewählte Wertschöpfungsketten, vorrangig in der Agroindustrie, wird mit neuen Maßnahmen fortgesetzt werden. Im Mittelpunkt steht die bedarfsorientierte und branchenspezifische Förderung von Dienstleistern und ihren Netzwerken. Sie sollen lernen, selber integrierte Strategien, Instrumente und Maßnahmen zur Beseitigung von Engpässen in ausgewählten Wertschöpfungsketten anzuwenden. Bei diesem Projekt greift die GTZ auf bestehende Kooperationen z. B. mit der Chiang Mai Chamber of Commerce (CCC) , dem Bureau of Supporting Industries (BSID) und dem Northern Network of of Service Providers for SME (NNSPAME) zurück.

In einem anderen Projekt sollen ökoeffiziente Konzepte vor allem in der Agroindustrie, in Industrieparks, Netzwerken und Lieferketten - modellhaft angewandt werden, um für
ihre Profitabilität zu werben und dadurch die Verbreitung solcher Konzepte zu fördern. Der Fokus liegt auf Maßnahmen, welche die Produktivität und die Produktqualität steigern und die Umweltverschmutzung reduzieren. KMU und Manager von Industrieförderzonen und Netzwerke sollen darin bestärkt werden, die Prinzipien und Methoden ökoindustrieller Entwicklung zu nutzen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Kosten und Umweltbelastung solle durch die gemeinsame Nutzung von Infrastrukturen und Zusammenarbeit innerhalb der Produktionsabläufe reduziert werden.

Bei der Verbreitung und Förderung kommerzieller Dienstleistungen zum Thema ÖkoEffizienz werden thailändische Berater und Dienstleister in "Train-the-trainer"-Kursen und Modulen zum aktiven Lernen darin geschult, neue Instrumente, Hilfsmittel, Methoden und Technologien anzuwenden - zum Beispiel Materialbedarfs- Analyse, Umweltkostenberechnung und Prüfung von Betrieben auf Öko-Effizienz, sauberere Produktionstechnologien, Abfallprodukt-Management und - Handhabung oder Recyclingsysteme etc. sowie der Industrie effektive Dienstleistungen anzubieten. In diesem Bereich gibt es bereits Abstimmungen mit der deutschen chemischen Industrie (Bayer, BASF, Merck) die ihre "responsible care" Programme einbringen werden.

Ausgewählte Banken werden in einem zweijährigen Projekt in den Bereichen Risikomanagement-Kompetenzen und in der Entwicklung KMU-spezifischer Finanzprodukte geschult werden. Dabei handelt sich um ein wichtiges Bindeglied zwischen bei den Programmkomponenten. Die Finanzierungsdienstleistungen können sowohl zur Unterstützung von KMU allgemein, als auch gezielt bei der Einführung öko-effizienter Produktionsverfahren eingesetzt werden.

Andere deutsche Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit

Im Auftrag des BMZ agiert die GTZ als Moderator und Koordinator der für das Programm relevanten Akteure der deutschen EZ. Es wird eine enge Zusammenarbeit mit CIM über die Einbindung von Integrierten Experten, mit InWEnt bei Trainingsmaßnahmen sowie mit der KfW-Gruppe geben. Der Einsatz von Senior Expert Service (SES) sowie die Kooperation mit der Physikalisch Technischen Bundesanstalt (PTB) in den oben gerannten Bereichen Zertifizierung und Messen wird die zukünftige "EZ aus einem Guss" konstruktiv ergänzen. 'Weiterhin wird das Vorhaben über Public Private Partnership-Maßnahmen Unternehmen der Privatwirtschaft einbeziehen. Dabei arbeitet die GTZ eng mit der Deutschen Entwicklungsgesellschaft (DEG) zusammen.

Abstimmung mit internationalen Gebern

Auch mit allen anderen im gleichen Sektor tätigen internationalen Organisationen findet eine enge Koordination der Aktivitäten statt. Die Weltbank, UNIDO und insbesondere Japan als wichtigster Geber, sind im KMU-Bereich aktiv. Auch das Kenan Institute Asia, das von USAid und Privatfirmen finanziert wird, fördert den Ausbau der Wirtschaftbeziehungen zwischen den USA und Thailand und unterstützt dabei auch Beratungsdienstleistungen. Dänemark wiederum konzentriert sich in seiner EZ mit Thailand auf die Bereiche Ressourcenmanagement und Umweltschutz.

Perspektiven der Kooperation

Thailand hat ein fundamentales Interesse an wirtschaftlich und politisch stabilen Beziehungen insbesondere zu den ärmeren Nachbarstaaten Laos, Kambodscha und Vietnam und engagiert sich deswegen zunehmend auch als Geber in der Entwicklungspolitik. Damit ergeben sich völlig neue Perspektiven trilateraler TZ in den Nachbarländern Thailands. Das BMZ hat dieses Kooperationsinteresse ausdrücklich begrüßt. Ein erster konkreter Vorschlag die Zusammenarbeit in einem Mess- und Kalibrierungsprojekt in Vietnam liegt auf dem Tisch. Dabei würden vietnamesische Experten auf thailändische Kosten bei TISTR (Thailand Institute for Scientific and Technological Research) aus- und weitergebildet. Auch in anderen Bereichen bietet sich die Nutzung thailändischer Erfahrungen und Ausbildungskapazitäten bei entwicklungspolitischen Aktivitäten in der Region an: Das Thai German Institute (TGI) hat einen hervorragenden Ruf als Praxis orientierte Fortund Weiterbildungsinstitution im High Tech Bereich und sollte deswegen verstärkt auch im regionalen Kontext genutzt werden.

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